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Das schwarze Brett

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Wenn das Huhn nicht eckig genug schmeckt schrieb YPSmitGimmick am 21. Februar 2002 13:24 Uhr
 
Quelle: http://www.rp-online.de/news/wissenschaft/2002-0221/sinnesvermischung.html


Synästhetiker vermischen Sinneswahrnehmungen
Wenn das Huhn nicht eckig genug schmeckt

Hannover (rpo). Da gibt es nichts zu diskutieren: Für Matthias Waldeck klingt eine Kreissäge rötlich und sieht dabei aus wie eine schmale ausgefranste Mondsichel. Und wenn das Huhn nicht ordentlich gesalzen ist, schmeckt es eben nicht eckig genug. Mysteriös, mag man da denken, doch Waldeck ist Synästhetiker und da vermischen sich des öfteren die Sinneswahrnehmungen.
Der 46-Jährige hat die neurologische Fähigkeit, Unterschiedliche Sinne wie Hören und Sehen miteinander zu verknüpfen. "Ich reagiere auf alles, was ich höre, mit einer Farbe und einer Form." Einen Klavierton beschreibt er als eine rote nach oben offene Halbkugel.

"Etwa ein bis zwei Menschen von tausend sind Synästhetiker", sagt Professor Hinderk Emrich. Der Leiter der Abteilung für Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beschäftigt sich mit dem seltsamen Sinnesvermischung. Das häufigste Phänomen der Synästhesie sei das Farbhören. Dabei führt das Hören von Geräuschen oder Buchstaben zur Abbildung von Farben und Formen im Kopf. "Die Fünf ist aralblau", sagt Insa Schulz. Das sei auch immer so - für sie jedenfalls.

Ein rotes A

Die Bilder im Kopf variieren allerdings zwischen den Synästhetikern. "Aber es gibt Häufigkeiten. Zum Beispiel sehen etwa zehn Prozent das A rot", erklärt Emrich. Andere Synästhetiker sehen beim Riechen Farben oder beim Schmecken Formen. "Das Huhn schmeckt nicht eckig genug", soll ein Bekannter, ebenfalls Synästhetiker, mal zu Waldeck gesagt haben. Gemeint habe er damit, es war zu wenig Salz dran.

"Warum die Betroffenen die verschiedenen Sinneseindrücke nicht trennen können, ist noch nicht verstanden", sagt Emrich. Die Grundlage werde jedoch in den ersten 24 Lebensmonaten gelegt. "Man vermutet sogar, dass alle Säuglinge zur Synästhesie fähig sind." Im Gehirn sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden, welcher Eindruck welchem Sinn zuzuordnen sei. Erst später trenne ein Kleinkind die verschiedenen Sinneskanäle. Bei Synästhetikern dagegen bleibe die Verbindung erhalten.

Hör- und Sehzentrum aktiv

Dass die Formen und Farben in Waldecks Kopf keine Einbildung sind, habe eine Versuchsreihe gezeigt. Emrich untersuchte in einem Kernspintomographen die Gehirnaktivität von Versuchspersonen. Spielte der Mediziner bei dem Experiment Waldeck Musik vor, waren im Gegensatz zu Nicht-Synästhetikern sowohl Hör- als auch Sehzentrum des 46-Jährigen aktiv. Zudem war noch das Gefühlszentrum des Gehirns, das limbische System, stark erregt.

Aus den Ergebnissen schließt Emrich, dass bei allen Menschen Wahrnehmungen über eine "limbische Brücke" verknüpft und bewertet werden. Bei Synästhetikern sei eine überhöhte Aktivität dieses Gehirnbereichs schließlich für die Vermischung von Sinneseindrücken verantwortlich.

Die Synästhesie ist für die Betroffenen indes keine Benachteiligung, sagt Emrich. "Sie leiden nicht." Das bestätigt auch Insa Schulz: "Ich fühle mich nicht gestört. Es ist nicht immer so präsent, dass es meine normale Wahrnehmung stören würde." Bei einem Telefongespräch würde kein "bunter Film" in ihrem Kopf ablaufen. Erst wenn sie sich nur auf die Buchstaben konzentrieren oder sehr langsam sprechen würde, kämen die Farben.




 

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